Project 364 - Meine :odyssey (Teil 1/4)
Zum 01.01.2025 habe ich mein "Projekt 364" gestartet: Ein Jahr Pause vom Job - nach turbulenten Jahren ein Start-Up zu gründen, aufzubauen, zu verkaufen und zu integrieren. Ein Jahr der Erholung, für Hobbies, Familie, Arbeiten am Heim, … an dessen Ende ich dann nur wissen müsste, welchen Job ich als nächstes machen würde. Und es kam alles anders als ich es mir vorgestellt hatte. Dies ist eine Geschichte von Veränderungen, Experimenten und Heilung.
Diese Serie besteht aus 4 Teilen:
- Meine :oddyssey (Teil 1/4)
- Teil 2 (coming soon)
- Teil 3 (coming soon)
- Teil 4 (coming soon)
Das erste Quartal des Project 364 war geprägt von … Stress! Wait, what? Frei und dann Stress, wie geht das denn? "Da hast Du aber etwas falsch gemacht!" werden viele sagen. Und ja, das habe ich tatsächlich. Denn ich hatte Pläne. Viele. "Da kannst Du jetzt ja richtig viel machen, was Du schon immer tun wolltest.", "Pass auf, dass Du nicht in ein Loch fällst, wenn ein Großteil Deiner Tätigkeit am Tag wegfällt." und "Hast Du schon Pläne, was Du nächstes Jahr machst?" waren die häufigsten Sätze, die ich gehört habe. Und so hatte ich mich gut vorbereitet auf die viele freie Zeit:

- Mein Stapel von nicht verbauten Home-Automation-Komponenten wollte endlich abgearbeitet werden.
- Unser Keller sollte endlich von alten Kindersachen und Dingen, die verkauft, verschenkt oder gespendet werden sollen, bereinigt werden.
- Mittwochs war geplanter Wandertag. Hier wollte ich etwas weiter weg fahren, längere Touren machen, in der Natur sein.
- Daneben sollte die Familie im Vordergrund stehen: mehr Ausgeglichenheit für Aktivitäten mit Frau und Kind.
Doch nachdem in den ersten Wochen nur der eine einzige Kinderwagen verkauft war, der zweite Wandertag schon wegen des Wetters ausgefallen war und ich keine Energie hatte, mich mit Home-Automation zu beschäftigen, kam der Frust: Wann würde ich mich endlich entspannen? Ich sollte doch das Jahr nutzen, um mich zu entspannen!
Ende März stand dann ein großes Event vor der Tür: meine :odyssey. Dabei handelt es sich um einen 3-tägigen Workshop zum Thema Selbstreflexion und persönlichem Wachstum von Heidrick & Struggles für Führungskräfte. Was ich dann dort gemacht habe, mitten im Auszeit-Jahr und bar jeder Führungsposition außerhalb von Elternschaft? Mein guter Freund Simon hatte mir schon länger von dem Event vorgeschwärmt, in das er selbst einmal durch Zufall hineingeraten war und welches sein Leben nachhaltig verändert hat. Als er von meiner Auszeit erfuhr, war für ihn klar: "Toby, das musst Du machen. Das ist genau das, was Du brauchst für dieses Jahr".
Wie recht er damit hatte, wurde mir am 2. Tag der :odyssey klar. Vorweg sei gesagt, dass ich hier absichtlich nicht ins Detail gehe, was auf einer :odyssey geschieht. Jeder Spoiler würde dem zukünftigen Teilnehmer ein Stück der anstrengenden, berauschenden, bereichernden und klärenden Erfahrung dieses Events nehmen. Und auch wenn es für mich als Privatperson "echt viel Asche war", kann ich nur empfehlen, es zu buchen, wenn ihr mal richtig tief blicken und Euch echt weiterentwickeln wollt.

Die Hosts Kathrin, Boris und Jens sind ein Team von Spitzen-Coaches mit ganz unterschiedlichen Fachbereichen, die hier einen einmaligen Workshop geschaffen haben. Mit dem Betreuungsschlüssel von 4:1 (3 hochklassige Coaches auf max. 12 Teilnehmer), dem absoluten Seelenort an der Ostsee und dem intensiven Programm entsteht ein quasi explosiver Mix, bei dem jede teilnehmende Person genau das mitnehmen kann, was sie benötigt. Dazu wird aus 12 wildfremden TeilnehmerInnen auf magische Weise innerhalb von Stunden eine eingeschworene Gruppe von Gleichgesinnten geformt, die sich gegenseitig die tiefsten Geheimnisse anvertrauen und einander ganz selbstverständlich stützen.
Nach den ersten paar Stunden sprach ich kurz mit Kathrin, um mir Feedback zu meiner mitgebrachten Frage zu holen: "Was mache ich nächstes Jahr beruflich?". Mit dieser, vorab vorbereiteten, Frage sollten wir in eine Session hineingehen und ich war mir unsicher, ob die Frage gut genug formuliert war. Nach kurzem Gespräch wurde sie sehr klar mir gegenüber, und ich paraphrasiere aus dem Gedächtnis: "Für die Beantwortung dieser Frage brauchst Du Kreativität. Die kannst Du aktuell aber nicht haben. Dein Nervensystem ist kontinuierlich im Fight-or-Flight-Modus. Das verhindert jede Kreativität. Du musst erst schaffen, Dein Nervensystem herunterzufahren.". Mind. Blown.

Kurz vor der :odyssey hatte ich bereits die 4-7-8-Atmung für mich entdeckt, eine Atemtechnik, die exakt hierbei hilft: das eigene Nervensystem in Richtung Ruhe-Modus zu regulieren. Und binnen kurzer Zeit wurde mir klar: Kathrin hatte total recht. Ich war im Fight-or-Flight-Modus. Kontinuierlich. Seit langer Zeit. Jeder Tag bestand aus "ich muss überleben"-Reaktionen. Wie weit das aber ging, wurde mir erst viel später im Jahr klar. Die 4-7-8- Atmung habe ich jedenfalls daraufhin intensiviert (3 x 10 Minuten am Tag). Und es half.
Der nächste Game-Changer war eine Klein-Gruppen-Coaching-Session bei Jens. Hier ging es um ein persönliches Entwicklungsquadrat, in dem ein "Stolperstein" (eine Eigenschaft, welche man selbst als Schwäche ansieht) in eine Stärke verwandelt werden sollte, indem eine Konter-Stärke entwickelt wird. Wie gesagt, ich will nicht zu viel spoilern. Als ich an der Reihe war, den anderen Teilnehmern meinen Stolperstein zu präsentieren, damit sie Konter-Stärken für mich formulieren konnten, kam von mir ungefähr folgender Text: "Ach, ich hab gar nichts Sinnvolles für Euch. Vielleicht skippen wir mich einfach an dieser Stelle. Oder ihr sucht Euch einen von diesen 4 Punkten aus.".
Die von mir (auch vor der :odyssey schon) ausgearbeiteten Schwächen waren die folgenden:
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Ich war nicht in der Lage, Konflikte in meinem näheren Umfeld auszuhalten.
Diese Konflikte mussten nicht mich selbst betreffen, es reichte vollkommen aus, wenn ein mir nahestehender Mensch darin verwickelt war. Meine Frau, mein Sohn, mein Mitgründer, mein Freund auf der Arbeit, … immer war es plötzlich mein Problem, mein Stress, meine Sorge, es zu klären.
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Ich konnte nicht aushalten, einen Fehler begangen zu haben.
Ja genau, ich, der immer von "Fehlerkultur" predigte. Der jedem Mitarbeitenden vergab, die Produktionsumgebung runtergebracht zu haben. Der bei jedem Disaster zur Seite war, um es mit auszubaden. Ich konnte mir selbst keine Fehler erlauben. Nicht den kleinsten.
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Emotionen anderer sprangen schnell und extrem auf mich über.
Wenn mein Sohn wütend wurde, dann wurde ich es auch. Wenn meine Frau traurig war, war ich es auch. Wenn mein Arbeitskollege unzufrieden war, dann war ich es auch. Und zwar binnen kürzester Zeit und immer direkt volles Rohr. Ich machte die Probleme meiner nahestehenden Personen zu meinen eigenen.

Aber meine Mitstreiter und Jens taten meine "kleinen Probleme" nicht ab. Jens schlug sogar vor, alle drei Probleme als Gesamt-Thema anzugehen. Und nach kurzer Zeit war herausgearbeitet: Als Konterstärke benötige ich Selbstliebe.
Genau dieser Augenblick Ende März 2025 hat so viel in Gang gesetzt, mich retrospektiv betrachtet so weit gebracht. Aber dazu mehr gibt es im 2. Teil meines Berichtes zu Project 364.
Vielen Dank an das :odyssey-Team, dass ich die Fotos hier verwenden darf. Wer Interesse an seiner ganz persönlichen :odyssey hat, setzt sich am besten direkt mit Jens in Verbindung.