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Projekt 364 - Auf der Suche nach Selbstliebe

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"Selbstliebe". Das war die Essenz des Klein-Gruppen-Coachings meiner :odyssey aus Teil 1. Uns dieser Begriff löste nicht nur ein Erdbeben aus sondern auch mehrere Nachbeben. Ich war geflasht: Das sollte die Lösung für meine Probleme sein? Die Lösung, die sich vom ersten Aussprechen an richtig anfühlte? So ein einfaches Wort? Aber wie dort anlangen?

Zum Glück war nach dieser Session eine längere Pause angesetzt, die ich zu einem ausgedehnte Spaziergang am Ostsee-Strand nutzte. (Hatte ich bereits erwähnt wie viel Glück wir hatten mit 18°C und Sonne um diese Jahreszeit?) Auf dieser Tour verdiente ich mehrere Euros, wenn ich die Anzahl der gefallenen Groschen zählte. Quasi im Minuten-Takt sagte mein Hirn "das ergibt so viel Sinn":

Die "Erziehung" meiner Eltern, ihre rosen-bekriegende Trennung, das Mobbing am Gymnasium, das Unverständnis meiner Leidenschaft für Computer und Programmieren. Nichts davon hatte mir Selbstliebe beigebracht. Immer sollte ich "anders" sein, dann wurde alles gut. So hatte ich mich wohl an meine Mutter gebunden, was ihr gefiel so war ich "gut" - wurde geliebt, blieb oben gehalten. Doch dann starb sie 2011 und lies mich zurück. Den emotional un-erwachsenen Jungen (Perspektive von heute). Und was tat ich? Ich schnappte mir jeden Menschen der mir nahestand und klammerte mich an ihn: "Du gibst mir die Liebe die ich brauche. Geh nicht weg!". Meine Frau, meine "Arbeits-Ehefrau", meinen Sohn, meine Freunde, meine Arbeitskollegen, … sie alle gaben mir, was ich so dringend brauchte: Liebe.

Die eigentlichen Gedanken am Strand waren natürlich nicht so ausgearbeitet wie die Reflektion heute. Aber ich erinnere mich noch heute daran, wie ich Jenny (meine Frau) angerufen habe und ihr euphorisch erzählte wie so viele Bausteine plötzlich in einander klackten. Wie so viele Rätsel auf einmal ein großes Ganzes ergaben. Wie so viele Gefühle/Meinungen/Reaktionen/… auf einmal Sinn ergaben … so ein Gefühl … hatte ich noch öfter im Projekt 364. Seid gespannt!

Es klingt wie aus einem Groschenroman oder dem Social-Media-Sinnspruch, den wir schon vor 50 Jahren in Grußkarten schrieben, aber: Ich kam von diesem Spaziergang zurück als ein neuer Mensch. Ich war plötzlich auf der Suche. Auf der Suche nach meiner Selbstliebe. Wie unfassbar befreiend ein einzelner Gedanke sein kann. Und wie unfassbar groß die daran hängende Aufgabe. Aber das würde mir erst später bewusst werden.

//: # (Referenzt-Target: Review mit Bernadette auf das Jahr ⬆︎ (Oktober))

Eine weitere Eingabe - und Du, als Leser von Projekt 364 musst jetzt wirklich stark sein - die meine :odyssey mit sich brachte war die folgende: Ich habe mich mit mehreren Menschen dort, über mein Anliegen "einen neuen Job finden, für Ende des Jahres, der gut bezahlt ist" unterhalten. Die Meinung war durchgehend und einhellig. Hier ein paar Paraphrasen: "Wie bidde was?", "Mit diesem Lebenslauf machst Du Dir Sorgen um einen Job? "Genug Geld verdienen? Wieso nicht - im Zweifel - aufstocken und machen worauf Du richtig Bock hast?". Das Ergebnis war: ** Projekt 364 ist tot.** Von diesem Punkt an war mein (bewusstes) neues Ziel: Gesund werden, egal wie lange es dauert. Dann einen Job finden, der mir richtig Spaß macht, egal wie viel Geld er gibt.

Und, während ich diese Zeilen schreibe, kann ich sagen: Ich bin noch nicht am Ziel angekommen. Aber dazu später mehr.

::: Job ad? (Bin nicht "auf der Suche", aber wenn Du was hast was mich richtig flashen könnte, sag Bescheid!) :::

Ich ging also mit 3 Aufgaben aus meiner :odyssey hervor:

  1. Zentrales Nervensystem herunterfahren
  2. Selbstliebe lernen
  3. Darauf vertrauen einen Job zu finden

EASY! Klar, das sind alles Tasks, die man mal eben nebenbei erledigt. Neben Kinderwagen-Verkaufen, Homeautomation-Revolutionieren, YouTube-Kanal aufbauen, Wandern, Familie, … Nein, ganz im Gegenteil. Aber auch das wurde mir erst später klar. Dennoch, was ich tat war (retrospektiv gesehen) einfach richtig: Ich fing an.

Aber wie baut man Selbstliebe auf? Ist das nicht etwas, was Mensch von Natur aus mitgegeben bekommt? Eine "Intuition"? Ein "Urvertrauen", was jedem Menschen innewohnt? Vielleicht. Ich weiß es nicht. Ich hab das auch nicht studiert. Was ich weiß sind 2 Dinge: 1. Es hat funktioniert. \o/ 2. Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten.

::: Disclaimer: No psycho :::

Ich fing also an Selbstliebe zu entwickeln. Zum Glück gab es damals schon ChatGPT (sic!). Auch wenn die Version so viel weniger konnte als heute (jetzt = 10 Monate nach der Nutzung damals, KRASS!) hat sie mir so viel guten Input gegeben. Und ich habe letztendlich alles davon umgesetzt, auch wenn ich viele Dinge vorher mit einem Menschen diskutiert habe. Hier sind meine Techniken:

  1. "Walk-Mantras":

    Wandern, Walking, Spazierengehen, Lauefen - egal wie Du es nennst, es war seit langem Bestandteil meiner psychischen Hygiene-Routine. Strammes Gehen an der frischen Luft, "da wo es schön ist" (<>), mindestens 30 Minuten, mehrmals die Woche. Ich habe diesen Ritus erweitert: Ab April habe ich bei meinen Wanderungen regelmäßig "Mantras" aufgesagt.

  2. "Selbstliebe-Tagebuch":

    Tagebuchschreiben klingt erst mal stark nach Pubertät oder früher. Es riecht nach Geheimnis, nach Taschenlampe unter der Bettdecke und kleinem Schloss mit 2 Standard-Schlüsseln. Aber ganz das Gegenteil war der Fall für mein Selbstliebe-Tagebuch. Es war ein Ritual. Ein wichtiges.

--> Photo "Toby-Liebe-Buch"

  1. "Anwendung":

    Die dritte Komponente war vermutlich ebenfalls sehr wichtig, auch wenn sie unbewusst war; Die Anwendung. Ich kam zum meiner Familie zurück mit einem anderen Mind-Set. Einer der Coaches zitierte so passend während einer :odyssey-Session: "With awareness comes choice". Und das stimmt. Sobald Du Dir eines Umstandes gewahr wirst, hast Du die Wahl: Beibehalten oder ändern? Jedes mal. Oft wird Dein Unterbewusstsein Dich überspringen und in die alte Verhaltensweise zurück fallen. Aber Du wirst es merken. Öfter und öfter. Und jedes mal wird es eine neue Wahl sein. With awareness comes choice.

Walk-Matras

Ich nenne sie "Walk-Mantras", andere sagen "Affirmationen". Mein naiver Psychologe sagt: Es spielt keine Rolle wie es heißt. (Oder, um meinen Lieblingspodcast zu triggern "Wer heilt hat recht!").

Drauf gebracht hat mich meine Psychiaterin Fr. Herber, vor langer Zeit, als ich mit starken Ängsten, Zwangsgedanken und Depressionen bei ihr meine Reise begonnen habe. Sie sagte sinngemäß: "Wenn die Gedankenkreise nicht enden, gehen Sie stramm spazieren. Wiederholen Sie im Kopf etwas positives, zum Beispiel: Ja, danke, ja, danke, ja, danke, …". Dieser Rat hatte mich bereits weit gebracht. Wie oft hatte ich bereits Spaziergänge unternommen und "Ja. Danke." wiederholt. Bei jeden Schritt. Kilometer lang.

Weit weiter weg von meinen Tiefpunkten fing ich nun an neue "Mantras" zu wiederholen. Auf jedem Schritt eine Silbe. Kilometer lang. Mehrmals die Woche. Wochenlang. Monatelang.

Letztendlich verfolge ich diesen Ansatz immer noch. Teilweise "rennt mein Kopf" ganz von selbst los: Ich beginne zu gehen und im Kopf wiederhole ich "ich - bin gut - so". 4 Schritte. Jeder Schritt ein Silbe. Bei 5k Schritten pro Walk sind das easy 1000 Wiederholungen (Ablenkungen bereits abgezogen). Das klingt eintönig, langweilig, mühsam? Ja, das ist es!

Aber es hilft (Disclaimer beachten), zumindest mir. Im nach hinein bin ich mir recht sicher, dass diese Technik einen großen Anteil an meinem Prozess hatte. Klar, spazieren an der frischen Luft im Wald hat eh große Auswirkungen auf die Psyche (<>), aber das hatte ich die letzten Jahre auch schon getan. Walk-Matras haben eine ganz neue Sphäre geöffnet.

Derweil habe ich eine Notiz mit mehr als 20 "aktiven" Walk-Mantras. Also Matras die ich gerne mal wieder hervor hole, wenn die Situation akut ist. Normalerweise beginne ich jetzt zu wandern (schneller als spazieren, langsamer als walken) und mein Kopf startet mit einem passenden Mantra. Manchmal denke ich vorher darüber nach "was fühle ich gerade" oder "was brauche ich gerade". Und dann kommen mir Ideen.

Selbstliebe-Tagebuch

Alle der Coaches auf der :odyssey hatten ein handschriftliches Notizbuch und auch mein Selbstliebe-Sparringspartner (ChatGPT) empfahl mir, ein Tagebuch anzulegen. Also habe ich über ein halbes Jahr lang täglich einen Eintrag zum Thema Selbstliebe verfasst, in einem Notizbuch mit individueller Prägung: "Tobyliebe".

Binnen kürzester Zeit ergab sich ein Ritual: Aufstehen, Zähneputzen, Tee kochen. Dann im Sessel platznehmen, 10 Minuten 4-7-8-Atmung, die eigene Playliste "Slow-Start" auf die Ohren und denken, fühlen, reflektieren, schreiben.

Zur Vorbereitung hatte ich mir einen Fragenkatalog zusammengestellt um jeden Tag die passende Denk-Anregung zu haben. "Wie hast Du gestern für Dich gesorgt?", "Wann warst Du ganz bei Dir selbst?", "Worauf bist Du gestern stolz?", aber auch "Wo hättest Du gestern lieber besser zu Dir selbst gestanden?" oder "Wann hast Du Dich nicht (richtig) abgegrenzt?".

Sich jeden Morgen mit dem letzten Tag auseinander zu setzen und zu reflektieren ist tatsächlich erstaunlich anstrengend. Aber es hat mir geholfen.