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Review: GIMP 2.6 für digitale Fotografie

GIMP mag zwar noch nicht komplett an Photoshop heranreichen, aber immerhin ist es für den Hausgebrauch von Hobby- und Semi-Profi-Photographen eine hervorragende Alternative. Gerade für den kleinen Geldbeutel ist es als Open-Source-Software bestens geeignet und für Linux'er wie mich ist GIMP eh das einzig wahre.

Das Problem mit GIMP liegt für die meisten in der Oberfläche: Wer Photoshop gewohnt ist, oder auch nur GIMP nicht gewohnt ist, vermisst schnell Funktionen, die nicht unbedingt an der intuitivsten Stelle verborgen sind. Auch existieren im Web Millionen von Photoshop-Howtos für alle nur erdenklichen Aufgaben in den verschiedensten Sprachen, während für GIMP meist nur Englische Literatur zu finden ist, oftmals auch gar keine.

Buch-CoverBuch-Cover

Mit dem frisch im Galileo-Verlag erschienenen Buch GIMP 2.6 für digitale Fotografie kann hier Abhilfe geschaffen werden. Auf 355 Seiten führt Jürgen Wolf in die Geheimnisse von GIMP ein, zeigt gängige Techniken zur Nachbearbeitung von Photos und gibt Tipps und Tricks um Bilder aufzuwerten und künstlerisch zu verändern.

Zielgruppe

GIMP 2.6 für digitale Fotografie richtet sich sowohl an GIMP-Neulinge, als auch an bereits fortgeschrittene Benutzer. Dabei werden nicht, wie häufig in solchen Werken, nur Windows-Benutzer beachtet, sondern auch Mac- und Linux-Fans zufriedengestellt. Kenntnisse der Bildbearbeitung werden generell nicht vorausgesetzt, theoretische Hintergründe zu vielen Techniken angeschnitten.

Wer bereits mit einem Bildbearbeitungsprogramm gearbeitet hat, wird einige Passagen überspringen können, ist GIMP-Erfahrung vorhanden, auch ein paar mehr. Der Aufbau des Buches erlaubt es aber auch gestandenen GIMP-Nutzer als Referenz und Inspirationsspender zu dienen.

Übersicht

Das Buch gliedert sich in 14 große Kapitel. Kapitel 1 beleuchtet Grundlagen für Einsteiger, wie die Installation von GIMP auf verschiedenen Systemen und den Aufbau der Benutzerschnittstelle im allgemeinen. Die folgenden 13 Kapitel widmen sich jeweils einem Oberthema der Photo-Bearbeitung mit GIMP.

Sehr gelungen fand ich, dass zuerst nicht nur kurz aber Nutzer-orientiert erklärt wird was Open-Source ist, sondern insbesondere auch die GPL. Der Autor erläutert zunächst alle wesentlichen Dialoge in GIMP und die Bedeutungen der einzelnen Symbole und Werkzeuge. So erhalten Ein- und Umsteiger einen schnellen Überblick und langwierige Erklärungen zum Sinn eines Werkzeugs entfallen später im Buch.

Die Kapitel 2-14 beleuchten jeweils eine Problematik der digitalen Bildbearbeitung. Dabei werden nicht nur Standard-Themen wie Belichtungskorrektur, Nachschärfen und Retusche behandelt, sondern auch Weiterführendes wie RAW-Bearbeitung, Korrekturen der Perspektive und die Präsentation von Photos.

Zusammen decken die 13 behandelten Themengebiete sehr gut das Spektrum an möglichen Bearbeitungen eines Photos ab:

  1. Farbkorrekturen

  2. Belichtungskorrekturen

  3. Schwarzweiß

  4. Freistellen und Ausrichten

  5. Scharf- und Weichzeichnen

  6. Perspektiven

  7. Retusche

  8. Fotomontage

  9. Effekte, Filter und Tricks

  10. GIMP erweitern

  11. Präsentieren

  12. RAW-Bearbeitung

  13. Dynamic Range Increase - DRI

Struktur und Inhalt

Außer dem ersten Kapitel gliedern sich alle Themen in verschiedene Workshops. Ein Workshop behandelt jeweils ein bestimmtes Unterthema anhand eines konkreten Beispiel-Bildes. Beispiele für einzelne Workshops sind Kontrast verbessern und Himmel abdunkeln aus dem Bereich Belichtungskorrektur, Stürzende Linien ausgleichen und Objekt ragt aus dem Bild im Kapitel Perpektive, sowie Mit Farbverläufen tonen aus Effekte, Filter und Tricks.

Zum Einstieg wird ein kurzer Vorher-Nachher-Vergleich durchgeführt, der dem Leser auf einen Blick zeigt, welches Ziel ein Workshop verfolgt. Ein Workshop ist wie ein typisches How-To aufgebaut: Schritt für Schritt wird die Anwendung einzelner Werkzeuge und Filter beschrieben. Unterstützt wird jeder Schritt durch einen Screenshot der den aktuellen Bearbeitungsschritt und das Ergebnis des Vorhergehenden visualisiert. Als Liebhaber der Tastatur hat mir sehr gut gefallen, dass bei jedem Einsatz eines Werkzeugs oder Filters auch gleich die passende Tastenkombination genannt wird, nicht nur das passende Icon oder Menu.

Alle Beispiel-Bilder werden auf DVD mitgeliefert, so dass man zum Lernen eine Workshop komplett ausprobieren und während des Durcharbeitens mit den einzelnen Werkzeugen herumspielen kann.

Neben den Workshops enthalten vielen Kapitel am Ende sogenannte Grundlagenexkurse. Wer lediglich praktisch erlernen will, wie er eine bestimmte Aufwertung eines Bildes erreicht, kann diese überspringen. Für Leser mit theoretisch-technischen Ambitionen bergen die Abschnitte Grundlagenwissen zu den Hintergründen einer Technik.

So erläutert der Grundlagenexkurs Farben im Kapitel Farbkorrektur verschiedene gängige Farbmodelle und der Exkurs Schärfe erklärt und vergleicht unterschiedliche Verfahren um Bilder komplett oder partiell nachzuschärfen.

Als kleines Schmankerl liegt dem Buch eine Referenz-Karte (für Anglizisten Cheat-Sheet) bei, welche Tastenkürzel für alle Werkzeuge, Ansichten, Dialoge und die wichtigsten Befehle zusammenfasst. Außerdem werden zu jedem Werkzeug Textstellen im Buch referenziert, an denen ein Werkzeug eingesetzt wird. Praktisch um neben dem Rechner schnell zur Hand zu sein oder als Lesezeichen im Buch.

Layout und Lektorat

Der Buchumschlag und Druck sind, wie bei allen Galileo-Büchern die ich bisher gesehen habe, hervorragend. Auch Layouting und Lektorat lassen keine Wünsche offen.

Die Workshops lassen sich hervorragend einzeln oder am Stück lesen, zurück- oder vor-blättern um an zusammengehörende Informationen zu kommen entfällt völlig. Die Grundlagenexkurse bieten theoretisches Wissen, locker aufbereitet, ohne den Laien zu überfordern oder den Profi zu langweilen. Bisher bin ich auf keinen Tipp- oder Grammatikfehler gestoßen und die Ausdrucksweise ist knapp aber sehr gut zu verstehen.

Die Gliederung der Seiten in 2 Spalte - eine für Screenshots, die andere für Text - erlauben flüssiges und komfortables lesen. Die ausführliche Visualisierung der einzelnen Schritte trägt viel zum Verständnis bei, ohne zu viel Platz für Text zu stehlen.

Fazit

GIMP 2.6 für digitale Fotografie ist ein hervorragendes Werk um mit GIMP generell oder speziell zur Nachbearbeitung von Photos zu starten. Auch für fortgeschrittene GIMP-Nutzer und Photographen bietet das Werk eine schöne Referenz und viel Inspiration. Die Mischung aus Workshops und Grundlagenexkursen finde ich Klasse, da es mir als IT-Spezialisten erlaubt, bereits bekannte Grundlagen zu überspringen, ohne dass unbedarften Lesern etwas fehlt.

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